Einstein mit Comenius-Projekt in Israel »Bilder unten
Bereits im zweiten Jahr nehmen wir teil an einem europäischen Bildungsprojekt mit Schulen aus Spanien und Norwegen. "Vom Vorurteil zum Wissen - jüdische Geschichte und Kultur in Europa." Im Frühjahr 2009 tauschten wir in Valencia die ersten Arbeitsergebnisse aus, im Herbst dann in Sandnessjoen (Nordnorwegen). Bevor wir im April in Potsdam das Projekt gemeinsam abschließen, trafen sich die norwegischen, spanischen und deutschen Schüler in Tel Mond, 30 km nördlich von Tel Aviv. Denn bereits von Beginn an entschieden wir uns, das Thema mit Schülern aus Israel gemeinsam zu bearbeiten. Dass Israel kein europäisches Land ist, hielt uns nicht davon ab, das europäische Bildungsprojekt in den Nahen Osten auszudehnen. Denn schließlich hat ein Teil unserer Kultur seine Wurzeln in der Kultur dieser Region.
Jedes Land stellte seinen Arbeitsstand an der Projektarbeit dar: Präsentationen, Diskussionen, Filme, Interviews und Vorführungen. In der Konferenz kamen auch Experten aus Forschung und Politik zu Wort. Die Quellen jüdischer Kultur und Religion in der Region des vom Britischen Empire so bezeichneten "Nahen Osten" und schließlich in der ganzen Welt zerstreut durch die Diaspora. Und auch durch die Gründung des Staates Israel sowie die damit verbundene konfliktbeladene Situation.
Die wenigsten Menschen in Israel sind religiös. Sie betrachten jüdisches Leben als ihr kulturelles Erbe, zelebrieren jüdische Feiertage, wie wir unser Weihnachtsfest - unabhängig davon, ob wir religiös sind oder nicht. Besonderen Wert legt die Familie auf den Sabbat, der ab Freitag vorbereitet wird. Tief religiöse Menschen tun am Sabbat gar nichts: sie fahren nicht Auto, sie schalten kein elektrisches Gerät ein, ... . Aber es ist gerade der Sabbat, der aus der jüdischen Religiosität und Kultur der Welt den "7. Tag" brachte: bei uns ist es der Sonntag, im Islam der Freitag und bei den Juden der Samstag. Nach 6 Tagen ruhe man und beschaue sein Werk - so sprach Gott.
Es fällt auf, dass die allgemeine Situation in Israel anders ist, als sie von Europa aus scheint. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist groß, dass aber Polizei und Armee eine übergroße Präsenz im öffentlichen Bild zeigen, ist nicht zu bemerken. Wenn auch jeder Soldat stets seine Waffe bei sich trägt. Überall im Land gibt es Synagogen neben Moscheen oder Kirchen. Juden, Moslems, Christen - alle leben zusammen, ohne dass dies zu konflikbeladenem Klima auf den Straßen führt. In Nazareth läuten um 12 Uhr mittags die Glocken der Verkündigungskirche und in das Läuten mischt sich der lautsprecherverstärkte Ruf des Muezzins zum Gebet. Als wir mit einem Israeli über den "wohl größten Konflikt" in der Welt sprechen, sagt er lapidar: "Das hier ist nicht der größte Konflikt, vielleicht der lauteste. Da gibt es größere in der Welt." So einfach scheint es wohl auch von Europa aus betrachtet nicht zu sein ...
Jerusalem bei Regen - eine ganz ganz große Seltenheit. Die Klagemauer, der Zettel mit den geheimen Wünschen, die quirlige Altstadt im arabischen Teil sind die eine Seite. Der Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem die andere. Ratlosigkeit und Wut und die Überzeugung, dass dies umsomehr begründet, dass auch deutsche Schüler in israelischen Familien wohnen - auch wenn so mancher Großvater schwor, nie wieder deutsch zu sprechen oder seinen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. So fragte eine Frau aus Jerusalem, warum wir als Deutsche nach Yad Vashem kämen. Sie war verblüfft, dort die deutsche Sprache zu hören.
Der Versuch, über den See von Genezareth zu laufen, schlug fehl. Gegenüber die grünen Golan-Höhen, auf denen seit dem 6-Tage-Krieg 1967 keine syrischen Geschütze mehr stehen. Man wollte von dort aus "die Juden ins Meer treiben". Was geschieht mit den Höhen, wenn es Frieden mit Syrien gibt? An den Hängen sieht man Dörfer. Jüdische Dörfer. "Keine Siedlungen! Die Golan-Höhen gehören uns!" Auf vielen Landkarten sind sie gestrichelt dargestellt.
Das internationale moderne Tel Aviv (Frühlingshügel) zieht viele junge Israelis an: Zum Studium, zur Arbeit, zum Vergnügen. Wir haben uns in der interessanten Woche sehr wohl gefühlt. Bei den Gastgebern in den Familien und in der Schule. Wir werden uns im April anstrengen, unsere Gäste aus Israel, Norwegen und Spanien ebenso zu empfangen. Ein Comenius-Projekt in Israel. Eine wunderbare Möglichkeit, jungen Leuten Europas und Israels den Blick aufeinander zu weiten.
Auf Wiedersehen. Ha det bra. Hasta luego. Shalom. ...