„Sponsored by MfS“-Zeitzeuge berichtet von seiner Zeit im geschlossenen Jungendwerkhof Torgau
Am 22.März 2010 erhielten die Klassen 11b und 11c Einblick in eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte. Die Autorin Grit Poppe, die mit ihrem Jugendroman „Weggesperrt“ als erstes dieses Thema für Jugendliche literarisch zugänglich machte und Stefan Lauter, der als Siebzehnjähriger selbst sechs Monate in Torgau verbrachte, berichteten von ihren Erfahrungen.
„Die Jugendwerkhöfe der DDR- schlimmer als Knast“, lautete der Titel des Films, den wir zum Einstieg sahen. Im Klassenzimmer herrschte absolute Stille, denn viele erfuhren zum ersten Mal davon, dass es diese Institutionen überhaupt gab.
Jugendwerkhöfe sind vielleicht vergleichbar mit den Bootcamps in den USA. Sie dienten dazu, Jugendliche die auf irgendeine Weise gegen die gängigen Richtlinien des DDR-Regimes verstießen, zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ zu erziehen.
Und den schlimmsten dieser Werkhöfe, Torgau, suchte sich Grit Poppe als Schauplatz für ihren Roman aus. Die Erfahrungen, die ihre Romanfigur Anja dort machte, sind sehr authentisch, bestätigte Stefan Lauter. Sein Bericht über sein Leben ist erschütternd und berührte viele. Mit Offenheit und Ehrlichkeit beantwortet er unsere Fragen, auch solche, die sehr persönlich waren. In Folge seines Aufenthalts in Torgau, ist er heute zu 40% Erwerbsunfähig und noch heute jagen ihn die Schatten seiner Vergangenheit. Auf die Frage, woher er die Kraft nimmt, heute darüber zu sprechen und sich auch sonst noch sehr für die Gedenkstätte Torgau zu engagieren, antwortet er: „Aus Wut!“ Denn niemand soll Torgau vergessen. „Wenn ich davon erzähle und ihr zuhört, dann gab es Torgau.“