Von der Realschule zum Realgymnasium 1854-1914

Die Potsdamer Realschule befindet 1854 sich noch an der Adresse Am Kanal 62, einem Gebäude aus dem Jahre 1718/1725. (Das Gebäude hat vorher als Sitz des Königlichen Lehrerseminars gedient.) Ihr erster Direktor ist der zu diesem Zeitpunkt erst 35jährige Dr. Baumgart, der dieses Amt vom Victoria Gymnasium (heute Hermann-von-Helmholtz-Gymnasium) kommend, bis 1890 ausfüllt. Am 24.4.1859 erhält die Schule den Titel „Realschule erster Ordnung“ und erfährt damit eine deutliche Aufwertung durch die Einführung eines neuen Lehrplans. 1882 kann man an der Schule auch in Griechisch und Hebräisch Unterricht erhalten, was den Schülern später eine Aufnahme von Tätigkeiten im Verwaltungsbereich erlaubte. Bald kann auch die Reifeprüfung in diesen Fächern abgelegt werden.  Zugleich wird die Realschule zum „Realgymnasium zu Potsdam“.  Direktor ist weiterhin Dr. Baumgart.

Aula

 

Im Jahr 1900 ist die völlige Gleichstellung von Realgymnasium und humanistischem Gymnasium erreicht. Den Schülern stehen nach dem Abschluss jetzt alle Fakultäten offen. Dies entspricht auch den Anforderungen der Industrialisierung. Dem wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Jugendlichen müssen auch die Schulen gerecht werden.  Somit steigen Schülerzahlen deutlich an. Ist die Schule 1898 mit 213 Schülern schon deutlich überbelegt, sind es 1907 bereits 300 Schüler. Als 1904 aus Anlass des 50. Jubiläums des Bestehens der Schule der Rektor Professor Walter eine Rede hält, spricht er aus, was nicht zu übersehen ist. Das Gebäude ist für den Unterricht ungeeignet. Ein Schulneubau wird 1908 veranlasst, der Kaiser selbst sei an der Planung beteiligt gewesen. Der wilhelminische Prunkbau wird Ostern 1909 fertig und eröffnet   mit dem neuen Schuljahr seine Türen. Die Schule ist aber noch deutlich kleiner als unsere Schule heute. Die Lehrer gelangen von der Seite Hegelallee durch das prunkvolle Tor in das Gebäude, Schüler nur von der Schopenhauerstraße durch zwei kleine Eingänge. Die Schule hat 27 Klassenräume auf drei Etagen, die große Aula, eine kleine Sporthalle und einen großen Schulhof, der sich auch auf den heutigen Neubau links der Schule erstreckt, und für den Sportunterricht und den Pausenaufenthalt der Schüler genutzt wird.  Die Verbundenheit mit der Familie des deutschen Kaisers Wilhelm II. äußert sich auch in der Schule selbst. In der Aula war ein Bild des Kaisers mit seiner Frau Auguste Victoria zu sehen.

Im Frühjahr 1914 lädt Auguste Viktoria die Schüler zu einem Ausflug in den Wildpark ein, wo es Kakao und Kuchen gab, wie sich der spätere Theologe Ernst Gürtler erinnert. Sie selbst zeigte sich bei einem Ausritt den Schülern. 

1913 wird ein weiterer Schulausbau veranlasst und das Gymnasium wird auf die heutige Größe erweitert. Die Orientierung liegt auf den Naturwissenschaften und den lebendigen Sprachen Französisch und Englisch.