Am 18. April 1946 - vor 80 Jahren - wurden drei Schüler der damaligen 2. Städtischen Oberschule für Jungen, dem heutigen Einstein-Gymnasium nach einem sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt und erschossen. Der Ort der Hinrichtung und ihre Grabstelle sind bis heute unbekannt.
Nach der Verhaftung von Hermann Schlüter, Klaus Eylert, Klaus Tauer und Joachim Douglas kamen sie in wochenlange Haft unter katastrophalen Bedingungen, die von brutalen Verhören unterbrochen wurden. Die Prozesse durch die militärische Spionageabwehr der Sowjetunion (SMERSch) mündeten für alle in Todesurteilen.
Im Militärstädtchen Nr. 7 (военный городок № 7) befand sich die Auslandszentrale des Sowjetischen Geheimdienstes GRU mitsamt dem Untersuchungsgefängnis in der Leistikowstraße, in dem die vier Schüler gefangen gehalten wurden. Die Gnadengesuche der vier Jungen nach dem Urteil wurden bis auf das Hermann Schlüters abgelehnt. Letzterer wurde zu Lagerhaft verurteilt und kam 1950 glücklicher Weise frei.
An dem Ort ihrer Haft fand am Freitag, dem 17. April 2026, eine Gedenkveranstaltung statt. Eindrucksvolle Grußworte der Oberbürgermeisterin Frau Aubel, bewegende Ausschnitte aus einem Interview mit Hermann Schlüter und ein Gespräch mit dessen Enkelsohn Andreas Schlüter vergegenwärtigten an diesem Abend die Schicksale der vier Jungen.
Freilich liefert der historische Kontext Erklärungen für das Geschehene. Die Schilderungen des Zeitzeugen Hermann Schlüter und die den Historikern vorliegenden Dokumente wie Verhörprotokolle liefern wertvolle Informationen dazu. Doch alle Sachverhalte und Erläuterungen zur Rekonstruktion der Verurteilung dürfen nicht relativieren, dass die gefällten Urteile auch im damaligen Kontext völlig unverhältnismäßig, grausam und Unrecht waren. Es handelte sich um Jugendliche, die das Todesurteil erhielten. Es waren Schüler unserer Schule, und sie sind Teil der Schulgemeinschaft. In dieser Eigenschaft gedenken wir ihrer.
Stellvertretend für die Schulgemeinschaft nahmen der Schulleiter Herr Wienert, die Lehrerinnen Frau Burkhardt und Frau Kramer sowie mehrere Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe teil.
Es gehört zu den traurigen Wahrheiten unserer Geschichte, dass Ungerechtigkeit, Willkür, Diktatur und Verbrechen nicht mit der Befreiung vom Faschismus in Deutschland überwunden waren. Die Geschichte mahnt uns, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu achten und zu wahren, damit die Menschenwürde unantastbar bleibt.




